10 Fakten zu den SBB Schafen.

Die SBB pflegt rund 2700 Hektaren Böschungen entlang des Bahnnetzes, um den Betrieb vor Störungen abzusichern und die Grünflächen zu unterhalten. Das entspricht der Grösse von fast 3800 Fussballfeldern. Neu helfen auch die SBB Schafe bei dieser Aufgabe mit: In der Nordwestschweiz fressen sie gemütlich ab, was neben den Bahngleisen wächst. Hier 10 spannende Infos zu diesem nachhaltigen Projekt.

 

  1. Das Schaf ist der bessere Wiesenmäher.

Ein Schaf hat gegenüber dem Wiesenmäher verschiedene Vorteile. Erstens fördern weidende Schafe die Biodiversität: Sie mähen nicht alles ab wie eine Maschine. So wachsen mehr Wiesenpflanzenarten. Zweitens schonen Schafe den Boden: Mähgeräte können insbesondere an steilen Bahnböschungen Schäden an der Grasnarbe und an der Vegetation verursachen. Drittens macht ein Schaf weniger Lärm als ein Wiesenmäher. Und es ist viel herziger!

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  1. Die SBB Schafe lieben ihren «Job».

Die SBB Schafe arbeiten eigentlich gar nicht. Sie leben einfach und tun dabei das, was Schafe halt so machen: Sie laufen und fressen, sie liegen und käuen wieder. Von daher machen sie ihren «Job» sehr gerne, denn er entspricht ihrem natürlichen Verhalten.

 

  1. Skudden-Schafe sind die idealen SBB Schafe.

Die Skudden sind eine alte Nutztierrasse, welche in den 1970er-Jahren vom Aussterben bedroht war. Skudden sind robust, unkompliziert und mögen gern Abwechslung beim Fressen. Sie lieben mageres, artenreiches und faserreiches Futter. Genau dieses Angebot findet sich auf Bahnböschungen. Übrigens sind die Skudden eine geschützte Rasse von Pro Specie Rara. Sie sind äusserst selten in der Schweiz. Durch ihren Einsatz als SBB Schafe wird der Erhalt dieser Rasse gefördert.

 

  1. Die Schafe sind in Sicherheit.

Die Schafe sind neben den Schienen unterwegs. Es besteht zu keinem Zeitpunkt die Gefahr, dass sie auf die Gleise oder in deren Nähe gelangen. Der Einsatzort der Schafe wird mit einem speziellen Zaunsystem abgesichert und an heiklen Stellen mit einem Schneefangnetz verstärkt. Der Zaun besteht aus Seilen mit eingeflochtenen Metalldrähten und steht unter Strom. Die Schafe bleiben so sicher, wo sie sind: Auf der Wiese.

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  1. Die Schafe lassen sich (fast) nicht stören.

Schafe lernen schnell, ob ein Geräusch Gefahr bedeutet oder nicht. Die SBB Schafe grasen ruhig weiter, wenn ein Zug durchfährt. Sie sind allgemein nicht so geräuschempfindlich. Auch am 1. August zeigen sie keine Reaktion auf Feuerwerk und Raketen. Was sie allerdings gar nicht mögen, sind bellende Hunde.

 

  1. Schafe haben einen 22-Stunden-Tag.

Innerhalb von 24 Stunden schlafen die Schafe nur etwa zwei Stunden. Sie machen ab und zu ein kleines Nickerchen, wo sie gerade sind. Das muss nicht unbedingt im Unterstand sein. Beliebt sind auch erhöhte Lagen und trockene Plätzchen.

 

  1. Schafe sind Teamplayer.

Schafe sind Herdentiere. Sie würden einzeln gar nicht überleben. Alleine bekommen sie Angst und Stress. Dadurch würden wie weniger essen und mit der Zeit krank und schwach werden. Die SBB Schafe sind immer mindestens zu zehnt im Einsatz. Es können aber auch bis zu 50 Tiere gemeinsam an einem Einsatzort weiden.

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  1. Bruna ist der Boss.

Eines der SBB Leitschafe ist Bruna. Sie ist am 5. April 2010 geboren und ist ein erfahrenes Schaf. Sie ist aber auch neugierig und manchmal vorwitzig. Und sie ist eine gute Mutter: Am 1. März 2015 hat sie zwei gesunde Lämmlein geboren. Weil Bruna so ein sicheres Auftreten hat, wird sie von den anderen Schafen als Chefin akzeptiert.

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  1. Die SBB Schafe sind effizient.

Ein Schaf «mäht» etwa 10 bis 20 Quadratmeter pro Tag. Also etwa die Fläche eines grosszügigen Schlafzimmers. Sie fressen aber nicht von A nach B alles auf, sondern futtern zuerst das, was sie am liebsten mögen. Die Geschmäcker sind jedoch verschieden und so frisst die SBB Herde in höchstens drei Wochen praktisch alles ab.

 

  1. Die SBB Schafe sind wetterfest.

Wenn es warm wird, lassen die Schafe den Kopf hängen. Sie sind aber nicht etwa traurig oder leiden. Sondern: Die bodennahe Luft ist kühler und wird daher von den Schafen bevorzugt. Wenn es stark regnet, gehen die Schafe in den Unterstand oder bleiben ganz still stehen. So können sie verhindern, dass durch die Bewegung das Wasser in ihr Wollkleid eindringt.

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«Tierische Rasenmäher auf Basler Wiesen» (Radio SRF, Regional Diagonal, 6.6.15)

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5 Kommentare zug “10 Fakten zu den SBB Schafen.

  1. Wir freuen uns jedes Jahr, wenn wir die Schafe wieder sehen, zurzeit sind sie an der Frenkenstrasse in Liestal „im Einsatz“! Tolle Sache !!!

  2. Eine gute Sache!

    Zum ersten Punkt hab ich allerdings eine kleine Korrektur: Der erwähnte selektive Frassdruck der Schafe begünstigt die Biodiversität nicht wirklich. Er ist im Gegenteil eher problematisch, weil sich dadurch verschmähte Pflanzen ausbreiten können, während sich die gern gefressenen übernutzt und zurückgedrängt werden. Die Mähmaschine sorgt hingegen für „faire“ Bedingungen für alle Pflanzen Mit einem guten Weidemanagement kann man das Problem im Griff behalten, so dass die Schafe tatsächlich positiv sind. Aber eben, den selektive Frassdruck als gute Sache hinzustellen, ist sicher nicht korrekt.

  3. Ein selektiver Abfrass wäre tatsächlich schlecht. Unsere alten ProSpecieRara-Rassen fressen aber eben nicht selektiv ab, sondern sind in der Nahrungswahl sehr anspruchslos, fressen nahezu sämtliche Pflanzenarten (z.B. «Blacke», Brennesseln, Brombeeren, Disteln, Dornsträucher, Neophyten) sowie harte Pflanzenstengel, abgestorbenes Altgras, Laub, feine Äste und gar Rinde. Sie unterscheiden sich in der Nahrungswahl also völlig von modernen und kraftfutterverwöhnten Tierrassen und sind daher die idealen Landschaftspfleger. Flächen, die von z.B. Neophyten oder anderen «Problempflanzen» wie Brombeeren überwuchert sind, werden dank unserer Tiere wieder artenreich, indem eben diese dominanten Pflanzenarten zurückgedrängt und lückig werden, und in der Folge andere Pflanzenarten hochwachsen können. In der Neophyten-Bekämpfung sind wir beispielsweise äusserst erfolgreich tätig. Besuchen Sie uns auf http://www.natur-pflege.ch

  4. Ich arbeite als Hirt in einen Betrieb im Tessin, und habe heute etwas auf „20 Minuti“ gelesen und ein solches Projekt finde ich interessant und würde noch gerne an sowas mitmachen, auch beruflich, mit wem kann man sprechen um Informationen zu haben?

    Danke für die Hilfe

    Stefano

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