«Alltag» ist anders.

Stefan Jufer schwärmt, wenn er von seinen Schützlingen erzählt: «Am schönsten ist es, wenn sie das erste Mal auf dem Führerstuhl Platz nehmen und selber fahren dürfen. Dann glänzen die Augen, sie sind topmotiviert.» 

Jufer (49) ist Ausbildungsbegleiter für Lokführeranwärterinnen und -anwärter in Bern. Ursprünglich gelernter Elektriker, arbeitet er seit 1988 bei der SBB als Lokführer und ist immer engagiert, wenn es um spezielle Aufgaben geht. So war er zum Beispiel der erste, der mit Tempo 200 über die Neubaustrecke fuhr.

Als Ausbildungsbegleiter (ABL) ist er zum einen Fahrlehrer, zum anderen Jufer_Stefan_LFCoach: Er schult die Lernenden auf den Fahrzeugen und hat ein Auge darauf, dass sie alle nötigen Vorschriften kennen. Daneben betreut und unterstützt er die Anwärterinnen und Anwärter aber auch während der ganzen Ausbildung. Aktuell betreut Jufer 10 Personen.

Daneben fährt er ab Bern Züge durch die Schweiz. Das oft zitierte Klischee vom Lokführer, der tagelang einsam im Führerstand sitzt, gilt bei ihm aktuell nicht: «Meistens sitzt jemand neben mir – wir haben gerade sehr viele Anwärter, die müssen geschult werden.» Seinen Beruf mag er sehr. Auch nach vielen Jahren schätzt er es, unterwegs sein eigener Chef zu sein, die Jahreszeiten zu erleben und durchs Land zu fahren. Und die Arbeit in Touren mit den wechselnden Früh- und Spätschichten? Jufer sieht das recht entspannt. Als seine beiden Töchter klein waren, sei es einfach gewesen, Beruf und Familie zu vereinbaren. Aufwändiger wurde es, sobald die Kinder ins Schulalter kamen. Für ihn ist aber klar: «Wer regelmässig ins Training muss und sich im Fussball-Club engagiert, sollte sich gut überlegen, ob er wirklich Lokführer werden will.»

Begleiten, beraten, motivieren.

Für Stefan Jufer ist kein Tag wie der andere: Mal fährt er alleine, mal nimmt er an Sitzungen teil, dann verbringt er wieder ganze Tage mit den Anwärterinnen und Anwärtern auf den Lokführerberuf. Nach knapp einem Monat Theorie begleiten die Lehrlinge an zwei Tagen zuerst den ABL und dann erfahrene Lokführer im Führerstand. Sie sitzen daneben, lernen Signale, Strecken und Vorschriften kennen und machen sich mit den Fahrzeugen vertraut.

Die Fahrten mit dem ABL ziehen sich durch die ganze Ausbildung. Nach den bestandenen Zwischenprüfungen kommt dann der grosse Moment der ersten Fahrt. Jufer lacht: «Natürlich sind die Anwärter darauf vorbereitet. Aber in bestimmten Bahnhöfen habe ich ein mulmiges Gefühl, wenn es ums Bremsen geht.» Die Lokführer-Anwärter müssen jedoch jedes Signal melden und den ABL über die nächsten Schritte informieren.

Jufer attestiert sich selber viel Geduld, auch wenn er hin und wieder etwas mehrmals erklären muss.

Ein interner Kurs bereitete ihn auf seine Aufgabe als ABL vor. In weiteren Kursen bildete er sich zum Coach weiter. Seine Schützlinge begleitet er während der ganzen, rund 15 Monate dauernden Schulung individuell. Dadurch entsteht eine recht enge Beziehung. Entsprechend schade findet er es, wenn es nicht reicht oder jemand die Ausbildung abbricht. Jufer freut sich dafür umso mehr, wenn am Ende der Ausbildungszeit der erlösende Anruf kommt «Prüfung bestanden, vielen Dank für die Unterstützung!»

 

300 Lokführerinnen und Lokführer in Ausbildung.
Noch nie hat die SBB so viele Lokführer ausgebildet: Aktuell stehen 300 Personen in Ausbildung. Dadurch wird sich bis Ende 2016 die angespannte Personalsituation normalisiert haben. Angehende Lokführerinnen und Lokführer sind aber auch in den nächsten Jahren willkommen. Mehr Infos dazu unter sbb.ch/jobs und sbb.ch/lokpersonal.

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