Alpen-Schick mit Charme (Teil 1).

«Aber das machen doch nur Touristen», meint Kollege Pascal bei unserer Planung, wo es mit dem Mitfahrbillett hingehen soll. Nachdem ich ihm aber Bilder aus der anvisierten Region gezeigt habe, willigt er schnell ein. Klar, als passionierter Fotograf und erfolgreicher Instagramer hat er rasch erkannt, dass er viele passenden Sujets vor seine Linse kriegen würde. Im ersten Teil dieser Mini-Serie nehmen wir euch mit ins Berner Oberland.

So einigen wir uns und starten am Tag darauf unsere Reise in Bern. Der Ausflug soll uns via Gstaad nach Montreux führen, auf der berühmten GoldenPass Strecke, die von Luzern nach Montreux führt. Und das Beste daran: Dank dem Mitfahrbillett kann mein Kollege Pascal günstig mitreisen. Wir sind gespannt auf Neues und freuen uns, Orte der Schweiz zu entdecken, die wir noch nicht gesehen haben.

Ausflug mit dem Mitfahrbillett.

So seid ihr gemeinsam günstiger unterwegs: Vom 27. Februar bis 21. Mai ist das Mitfahrbillett erhältlich. Wenn du zum Beispiel ein GA oder eine Tageskarte hast, kannst du eine Begleitperson für nur 38 Franken auf einen Ausflug mit dem Zug mitnehmen. Auf sbb.ch/mitfahren findest du viele weitere Freizeitideen.

 

Unsere erste Etappe führt von Bern nach Gstaad. Gstaad – da denkt man an Glitzer und Glamour, Prinz Charles und an schicke alpine Ferienresidenzen. Dem wollen wir auf den Grund gehen und machen es uns erstmal im Bistrozug bei einem Kaffee gemütlich. Die Fahrt dauert knapp zwei Stunden und führt über Spiez und Zweisimmen nach Gstaad.

Mit der Reisedauer ändert sich entlang der Route auch die Szenerie: die weiss bedeckten Berge thronen in der Ferne, im Thunersee spiegelt sich die Sonne, ein Bild wie im Ferienprospekt. Ab Spiez Richtung Zweisimmen dominieren schroffe Bergwände und urchige Landschaften. Der Zug schlängelt sich entlang der Simme durch das Simmental, vorbei an den typischen Bauernhäuser mit den reich bemalten Fassaden und Giebeldächern. Der Anblick erinnert mich irgendwie an meine Kinderjahre und Skiferien im Berner Oberland. Ich rieche förmlich den Duft von Cheminée und Holz und schwelge kurz in Erinnerungen.

In Zweisimmen wechseln wir in den goldenen Panoramawagen der Montreux-Berner-Oberland-Bahn. Pascal und ich finden noch zwei freie Plätze im Abteil, das eine Gruppe japanischer Gäste reserviert hat, die von Luzern herkommen und die klassische Strecke der GoldenPass Line nach Montreux fahren. Die Königsroute durch die Schweiz ist für ausländische Touristen quasi Pflichtprogramm und wie erwähnt auch für mich eine Premiere. Dank den grossen Panoramafenstern lässt sich die Landschaft in vollen Zügen geniessen. Und beim Anblick der Berge denke ich, wie schön unser Land doch ist. In der Zwischenzeit sind die braunen Hügel nun ganz verschwunden und der Schnee bedeckt die Gegend.

Pascal weckt mich aus den Träumereien, wir sind nach knapp zwei Stunden in Gstaad angekommen. Nun geht’s ab auf die Suche nach Glanz und Glamour durch das alpine Schweizer St. Tropez. Gstaad geniesst internationales Ansehen und ist vor allem im Winter bei Stars und Sternchen sehr beliebt. Bekannte Gesichter wie Prinz Charles, John Travolta oder Roger Federer trifft man hier regelmässig. Aber wusstest du, dass es in Gstaad ebenso viele Kühe wie Menschen gibt? Nämlich rund 7000 Exemplare, das ist eine Kuh pro Einwohner.

 

Berühmte Gäste aus Königshäusern, Film und Sport wie Louis Armstrong und Aga Kahn, Elizabeth Taylor, Sophia Loren, Roger Moore oder Grace Kelly haben Gstaad einst so bekannt gemacht.

 

Vis-à-vis vom Bahnhof geht es direkt in die bekannte autofreie Shoppingstrasse von Gstaad, wo schicker Charme auf Tradition trifft: Hier Prada und Cartier neben der Dorfbäckerei, dort Gucci und Louis Vuitton neben der Papeterie. Nichts wirkt aufgesetzt wie in bekannten Shoppingmeilen grosser Städte, denn die Luxus-Boutiquen sind in den hübsch verzierten, charakteristischen Chalets einquartiert. Da wirkt ein eleganter Designerladen sofort viel sympathischer. Der Luxus in Gstaad wirkt subtil und ist diskret.

An diesem Montagvormittag ist Gstaad noch ganz verschlafen. Die wenigen Leute sitzen auf den Terrassen der Cafés und geniessen die warme Vorfrühlingssonne. Alles geschieht gemächlich und so schlendern auch Pascal und ich gemütlich die Einkaufsstrasse auf und ab. Sowieso ist hier in Gstaad während der Woche alles ganz normal. Die meisten Reisenden kommen für den Schneesport her. Das vielfältige Skigebiet Gstaad Mountain Rides  umfasst 220 Pistenkilometer und kann dank dem Gletschergebiet Les Diablerets bis im Mai befahren werden.

Mein Wintersport-Tipp: Anreise von Rougemont via Videmanette hinüber nach Gstaad: es erwarten dich flachabfallende breite Pisten – bestens geeignet für Snowboarder und Carver.

Wir sehen es von Weitem: Oben auf einem Hügel thront das Palace Gstaad, ein 5-Sterne Superior Hotel, das von einer majestätischen Aura umgeben wird. Wir sind gespannt und prüfen aus lauter Jux den Preis für ein Nacht. Der billigste Preis für ein Einzelzimmer pro Nacht liegt derzeit bei 890 Franken… Wer sich das nicht leisten kann oder will, darf auch bei den Sennen auf der Alp übernachten, auch schön, günstiger und nah in der Natur.

Zeit für eine kleine Stärkung – da kommt der Early Beck gerade richtig. Seit 1910 gehen hier nur Eigenkreationen aus frischen, regionalen Zutaten über die Theke: Mein Blick schweift über hausgemachte Schokolade, schön geschwungene Meringues, Pavés und Truffes und bleibt hängen an der Gstaader Nusstorte, die lokale Spezialität. Ein kleines Stück kaufe ich mir, hebe es aber für die kommende Zugfahrt auf. Mir wird von der Verkäuferin auch das Haselnusskrokant empfohlen, eine Hausspezialität, die ich für Pascal mitnehme.

In der Region gibt es weitere kulinarische Spezialitäten aus der Region:

  • Hobelkäse, Bergkäse und Alpkäse
  • Gstaader Truffelfondue
  • Chrüter-Geissen-Raclette
  • Trockenfleisch vom Simmentaler Rind
  • Saanensenf
  • Gstaader Nusstorte

Persönlicher Tipp: lokale Spezialitäten kaufst du ganz bequem auch am Bahnhof beim etwas anderen Selecta-Automaten ein. Aber schau selbst:

Abwechslungsreiche Unternehmungen in und um Gstaad sind das ganze Jahr möglich:

  • Wandern zum Lauenensee als ideales Ausflugsziel für Familien, Wanderer und Naturliebhaber, im Sommer und im Winter und dazu Spans «Louenesee» singen.
  • Kutschenfahrten, Sommerrodeln, Gleitschirmfliegen, Fatbike und Hundeschlitten fahren im Winter.
  • Trekking mit Tieren.
  • Die Käsegrotte besuchen, wo 3000 Laibe Käse lagern und reifen.
  • Bei der Stallvisite auf der Alp Beust helfen und schlafen im Stroh.
  • Dem Alpkäser auf der Wispile zuschauen.
  • Traditionellen Scherenschnitt lernen.
  • Alpenfeste mitfeiern und die Meisterkuh küren im Sommer.

 

Persönlicher Tipp von Lisa Fäh, Leiterin des Tourismus-Büros in Gstaad: «Unternehmt einen Ausflug zum Bergrestaurant Wasserngrat und geniesst dort ein feines Essen auf der Sonnenterrasse inmitten der Gstaader Bergwelt – im Sommer wie auch im Winter möglich».

 

Der Legende nach wollte Gott sich während der Schöpfung der Welt ein wenig ausruhen. So prägte der Abdruck seiner Hand das Saanenland: Die fünf Finger formten die Täler, im Zentrum entfaltete sich Gstaad.

 

Zurück am Bahnhof kaufe ich rasch noch einen streckenbezogenen Klassenwechsel für die 1. Klasse  über die SBB Mobile App und schon geht’s weiter. Unterwegs von Gstaad nach Montreux auf der weltbekannten GoldenPass Line geniesse ich endlich mein Stück Nusstorte. Pascal hat sein Haselnusskrokant längst verspeist; die Verkäuferin im Early Beck hat nicht zu viel versprochen.

Für diese zweite Reiseetappe haben wir absichtlich die Verbindung um 11.37 Uhr ab Gstaad gewählt. Denn nur um diese Zeit fährt der GoldenPass Classic-Zug. Dieser Zug ist ein Nachbau im Belle Epoque-Stil, in dem das Ambiente in der 1. Klasse an Urgrossmutters Stube erinnert. Gut zu wissen: Generalabonnement, Swiss Travel Pass und Halbtax-Abo sind ohne Zuschlag gültig.

Ob mir die Fahrt im Belle Epoque Zug gefällt und was wir in Montreux noch alles erleben, liest du im zweiten Teil des Berichts. Nächste Woche, gleicher Kanal. Und falls du dich aufmachst, um die GoldenPass Line zu entdecken: Die besten Verbindungen von Gstaad nach Montreux findest du im Online-Fahrplan .

Fazit 1: Ein charmanter, lieblicher Ort mit einem abwechslungsreichen Freizeitangebot. Gut geeignet für Familien, Sportler, Outdoorfreaks und Naturliebhaber. Ideal im Sommer wie auch im Winter. Und keine Angst vor dem «Glamour-Faktor»: Gstaad ist ganz entspannt, ein Ort, an dem man sich wohlfühlt und viel erleben kann.

Fazit 2: Der Weg ist das Ziel!

Fotos: Pascal Erb

2 Kommentare zu “Alpen-Schick mit Charme (Teil 1).

  1. Als Gstaader der den Aufschwung miterlebt hat und weiss, dass zum Glück nicht nur die sogenannten Noblen hier willkommen sind, finde ich diese Reportage kurz und klar treffend abgefasst und illustriert.

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