Cardada Cimetta – eine entdeckenswerte Bergwelt.

Text und Fotos: Sabrina Bigler

Cardada? Cimetta? Diese Ausflugsziele im Tessin waren mir bis jetzt nur bedingt ein Begriff. Denn ich gebe es gerne zu, ich kenne das Tessin kaum. Und mein letzter Besuch in Locarno lag genau in jener Woche, in welcher das Tessin von den schlimmsten Überschwemmungen der letzten Jahre heimgesucht wurde. Deshalb kenne ich Locarno vor allem als Stadt mit überschwemmten Strassen – befahren mit Gummibooten. Somit wollte ich dem Tessin nochmals eine Chance geben, und da bot sich das RailAway-Angebot hoch nach Cardada – dem Hausberg Locarnos – optimal an.

Die Zugfahrt nach Locarno ist schon eine Reise wert. Vorbei am Zürich-, Zuger-, Lauerzer- und Vierwaldstättersee, an Rigi und Mythen, verging die Zeit wie im Zug bis wir das Urnerland erreichten. Anschliessend war das frohe «Seen-und Berge-Erraten-Spiel»  vorerst vorbei, doch die Bergstrecke mit dem Kirchlein von Wassen und der imposanten Bergwelt blieb weiterhin ein Highlight. So bin ich fast schon ein wenig zwiespältig, ob ich ab Dezember 2016 dieser schönen Bergstrecke doch noch treu bleiben oder die verkürzte Strecke ins Tessin durch den neuen Gotthard-Tunnel nehmen soll. Was klar ist, ich bleibe beim Zugfahren, denn nur so kann man genüsslich einen Blick auf den langen Auto-Stau Richtung Süden werfen.

In Locarno angekommen, fühlten wir uns gleich wie in einem südländischen Ferienort: Angenehmes Klima, unterhaltsame Live-Musik, zahlreiche aussenbestuhlte Restaurants mit leckeren Pizzas und einer riesen Auswahl an Gelati. Da konnten wir natürlich nicht widerstehen und so endete der Anreisetag mit vollem Magen im zentral gelegenen Hotel dell’Angelo: man will ja schliesslich fit sein für den entdeckenswerten Berg.

Locarno

 

Am nächsten Tag ging es nun los, um Cardada und Cimetta zu erkunden. Da noch ein wenig müde in den Knochen, entschieden wir uns für die fast schon nostalgische Standseilbahn hoch nach Orselina. Dort konnten wir schon einen guten Blick aufs sehr schöne Panorama mit der Madonna del Sasso Kirche im Vordergrund und dem Lago Maggiore im Hintergrund erhaschen. Uns zog es aber gleich weiter, mit der von Stararchitekten Mario Botta designten Seilbahnkabinen nach Cardada. Und auf der auf 1349 M. ü. M. gelegenen Bergstation gab es schon vieles zu entdecken: die imposante, aber leicht versteckte Aussichtsplattform (nichts für schwache Nerven), einen grossen Spielplatz für Familien (nicht getestet) oder den amüsanten Barfussweg (mit Freude getestet).

Weiter ging unser Ausflug zu Fuss leicht bergauf via der schönen Alpe Cardada mit dem einladend aussehenden Ristorante Cardada, Steigung hoch nach Cimetta. Nach ca. 1.5 Stunden oben angekommen, erwartete uns ein wundervolles 360-Grad-Panorama von der Aussichtsplattform aus (nur der Blick auf die Dufourspitze wurde uns wegen aufziehenden Wolken verwehrt). Nach diversen Fotos von der beeindruckenden Alpen- und Seenkulisse und den blau blühenden Enzianen, stellte sich die Frage: unser Picknick auspacken, im Bergrestaurant einkehren oder dann aber noch zur Cima della Trosa weiterwandern? Wir entschieden uns für die gemütliche Variante, genossen ein Picknick und nahmen anschliessend die seitwärts fahrenden 2er-Sesselbahn hinunter nach Cardada. Und abschliessend liefen wir von Orselina einen schönen Treppenweg nach Locarno zurück, wo schon der Zug zurück in die Deutschschweiz wartete – wir stiegen ein, mit einem leckeren Gelati in der Hand.

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Kurz und knapp.

  • Anreise: Beispielweise von Bern mit dem Zug entweder via Domodossola oder Zürich nach Locarno.
  • Beschriebener Spazierweg: Von Cardada hoch nach Cimetta in ca. 1.5 Stunden und 362 Höhenmeter.
  • Alternative für Wanderer: Wenn wir mehr Zeit zur Verfügung gehabt hätten, so wäre beispielsweise eine Wanderung von Locarno hoch nach Cimetta, von Cardada nach Cima del Rossa oder die Wanderung von Cardadas über den Monti di Lego nach Orselina eine spannende Option gewesen. Aber auch sonst scheint es ein vielseitiges Wandernetzwerk zu haben.
  • Angsttropfen:
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    Die luftige Aussichtsplattform in Cardada hat es schon in sich, aber sonst ist dieser Ausflug auch für Familien stressfrei zu bewältigen.
  • Schweisstropfen:
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    Höchstens von der Sonne, da man den Aufstieg eher als Spaziergang als Wanderung bezeichnen kann.
  • Empfehlungen:
    Genug Zeit einplanen, da man oft Stopps einlegt, um das wunderbare Panorama zu geniessen. Zudem würde ich Sonnencreme einpacken (und auch einschmieren), aber dennoch etwas Warmes einpacken, da man sich doch ein wenig in die Höhe begibt.
  • Ausrüstung: Gut in Turnschuhen machbar, auch wenn Wanderschuhe hier nicht völlig fehl am Platz sind.
  • Wandervolk: Viele Touristen aus aller Welt und zahlreiche Biker (welche aber den Wanderer nicht in die Quere kommen).
  • Fauna: Viele scheue Eidechsen und bunte Schmetterlinge.
  • Flora: Vereinzelte, aber schöne Enzian-Exemplare.
  • Highlight: Definitiv die Rundsicht von der Cimetta auf Locarno, Ascona, den Lago Maggiore, das Centovalli oder ins Onsernonetal; und natürlich die Bergketten.
  • Einkehren: Diverse Einkehrmöglichkeiten laden zu gemütlichen Kaffee-Pausen oder einer ausgiebigen Stärkung ein.

 

sabrinaSabrina Bigler ist als Travelline stets unterwegs: auf Wanderwegen, unter Wasser, auf Schienen, in der Luft oder auch ganz gerne im World Wide Web.

 

 

 

 

 
 
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