Ein Billettautomat auf dem Prüfstand.

Hallo Doktor Bahnsinn

Ich habe gesehen, dass in Bern ein neuer Billettautomat steht. Was hat er, was der alte nicht hat?

Gruss
Franz

Lieber Franz

Beim Thema Billettautomat werde ich immer ganz wehmütig. Vielleicht erinnerst du dich noch an frühere Modelle, die ersten SBB Billettautomaten wurden nämlich 1966 in Betrieb genommen. Mittels Tastenwahl konnte man gerade mal zwischen 30 Destinationen wählen. Im Moment verkaufen wir über 1000 Artikel am Billettautomaten und es sind über 160 Millionen Verbindungen wählbar. Der erste Billettautomat gab kein Retourgeld und akzeptierte nur Münzen. Heute sind Billettautomaten hochkomplexe Maschinen und werden immer ausgeklügelter.

ePOSVon den 1400 Billettautomaten ersetzen wir 1000 Geräte vom Typ BATS (Billettautomaten mit Touchscreen), die seit 1997 im Einsatz sind. Für die neuen Billettautomaten mit dem Namen ePOS (elektronischer Point of Sale – übrigens ein Insiderwort für «Bahnschalter» bei der SBB) gibt die SBB 40 Millionen Franken aus. Das ist natürlich viel Geld, aber glaub mir, der neue Billettautomat ist seinen Preis dank leistungsfähiger Technik wert. Zudem kommt eine Neubeschaffung billiger als individuelle Reparaturen einzelner Teile.

Der Billettautomat, den du gesehen hast, ist eines der fünf ersten Geräte, die in Bern und Thun stehen. Wir haben sie intern auf Herz und Nieren getestet und für gut befunden. Nun wollen wir wissen, wie sie sich im Alltag bewähren. Nächstes Jahr geht es dann richtig los: Ab Frühling 2014 ersetzen wir 550 Automaten, der Rest kommt 2015 zum Einsatz.

Dieser neue Billettautomat hat einiges auf dem Kasten: Wie du gesehen hast, ist sein Bildschirm mit 15 Zoll deutlich grösser geworden. Der ePOS ermöglicht Bezahlung und Geldrückgabe grosser Banknoten und schützt bei Bezahlung mit Karten besser vor Skimming. Zudem ist er tiefer gebaut und damit für Menschen im Rollstuhl angenehm zu bedienen. Mit einem RFID-Leser wird eine kontaktlose Zahlung mit Kreditkarte möglich. Ab 2014 ist damit die Zahlung mit NFC-Mobiltelefonen geplant.

Du wirst nun vielleicht einwenden, das seien Kleinigkeiten und das Hauptproblem beim Billettkauf bleibe ungelöst: Die oft kritisierte Benutzerführung. Auch daran arbeiten wir im Testlabor. Seit 11. November 2013 gibt es einige Verbesserungen im Verkaufsablauf der Billettautomaten. Unter anderem werden nun in allen Verbünden nur noch die vier wichtigsten Reisewege (Vias) angezeigt.

Gestaunt habe ich aber, als ich erfahren habe, dass die Benutzerführung wohl doch nicht so schlecht ist. Jedes Jahr verkaufen wir 55 Millionen Billette an den Automaten. Das sind 62% aller verkauften Billette. Bei jedem 13-tausendstem Kauf erhalten wir eine Kundenrückmeldung und davon beziehen sich drei Viertel auf technische Probleme. Das heisst, wir bekommen pro Tag drei Reaktionen – wenig, oder? Ausserdem haben wir eine Billettautomaten-Hotline im ZVV-Gebiet eingeführt und prüfen eine schweizweite Umsetzung für 2014. Wer also ein Problem mit dem Automaten hat, kann auf die Gratis-Servicehotline 0800 33 00 33 anrufen – mit etwas Glück ist sogar Doktor Bahnsinn am Draht.

Viel Spass beim Ausprobieren!

Dein Doktor Bahnsinn

P.S. unter www.sbb.ch/billettautomat findest du eine Online-Simulation mit den wichtigsten Funktionen der SBB und ZVV-Billettautomaten.

Was ist ein Stellwerkstörung, warum gibt es einen Nachtzuschlag und können Frauen auch Lokführer werden? Doktor Bahnsinn beantwortet deine Fragen im SBB Blog. Hast du eine Frage an Doktor Bahnsinn? Schreib ein E-Mail an doktor.bahnsinn@sbb.ch

Autor

Sarah Müller
Sarah Müller

4 Kommentare zu “Ein Billettautomat auf dem Prüfstand.

  1. S. O. schrieb am :

    Ich habe neulich einen neuen Billettautomaten genutzt und einige Vor- und Nachteile gegenüber dem Vorgänger festgestellt.
    Dass die Schrift auf den Billetts verbessert wurde ist begrüssenswert, unnötig finde ich jedoch, dass die Billette jetzt doppelt so gross sind, zum einen passen sie nicht mehr ungefaltet ins Portemonnaie und zum andern wird doppelt so viel Papier benötigt, was vom ökologischen Aspekt her bedenklich ist.
    Ebenfalls gut finde ich, dass das Tastaturfeld für das Kartenterminal weiter ins Gerät eingelassen wurde, damit wird das Ausspähen durch Personen erschwert. Es wäre jedoch wünschenswert, dass die abgeschrägte Seite oben noch etwas schräger gemacht würde, damit auch grössere Personen problemlos sehen können, ob die Oberseite manipuliert wurde.
    Sehr unglücklich finde ich den manuellen Kartenschlitz, die Karte bewegt sich darin nur sehr schwerfällig. Inwieweit dies besser gegen Skimming schützen soll, als ein automatischer Karteneinzug ist für mich nicht nachvollziehbar.
    Was aus meiner Sicht schlecht gelöst ist, ist die Position der Billett-Ausgabe, zum einen ist die sehr tief und zum anderen ist die Position direkt unter dem Display schlecht erreichbar, ausser man ist kleinwüchsig.
    Schön, dass die neuen Automaten jetzt auch Noten zurückgeben.

    Das war mein Senf dazu.

  2. jahn schrieb am :

    Einige sbb billett automaten sind extrem schwerfällig was die touchscreen eingabe angeht erst nach zirka5-6 mal gelingt die eingabe was sehr nervtötent ist. Besonders wenn der zug/bus/tram jeden moment abfährt.

    • Hallo Jahn, danke für deinen Kommentar. Bei den Billettautomaten sind mehrere Generationen im Einsatz (Übersicht der Billettautomaten). Die alten Automaten haben eine ältere Touchscreen-Technik, als die neue Generation (ePOS). Die alten Billettautomaten werden bis Ende Sommer 2015 ersetzt sein.
      Doch auch beim neuen Automaten gibt es gewisse Dinge, die berücksichtigt werden müssen. Einerseits das Sicherheitsglas (Schutz gegen Vandalismus) und die Anforderungen des Behindertengleichstellungsgesetzes, welches eine maximale Höhe des Bildschirms vorgibt. Beides kann natürlich einen gewissen Einfluss auf die Touch-Bedienung Einfluss haben.
      Gruss, Daniel

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