Auf dem Gipfel der Gefühle.

Obwohl ich die warme Jahreszeit ja viel lieber mag und ich mich in südlicheren Breitengraden zu Hause fühle, muss es jetzt einfach sein. Das neu gewachste, speziell geschliffene Snowbaord steht im Keller bereit und will raus auf die Piste. Surfbrett und Wakeboard müssen jetzt tapfer sein und ein paar Monate pausieren. Ganz nach dem Motto «Hauptsache ein Brett unter den Füssen» packe ich Kind, Mann und Brett und mache mich auf den Weg Richtung Waadtländer Alpen, nach Les Diablerets, im Eingang zum Rhônetal, oberhalb von Aigle. Die Region ist mit dem öffentlichen Verkehr wie auch mit dem Auto aus der Genferseeregion, dem Berner Oberland und dem Greyerzbezirk gut erreichbar.

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Die Wahl ist am Vorabend rasch auf das Freeride- und Skigebiet Glacier 3000 gefallen. Das Gletschergebiet befindet sich zwischen Gstaad und Les Diablerets und erstreckt sich von 1350 bis auf über 3000 Meter über Meer. Schneesicher von Oktober bis Mai, auch dann, wenn sich Frau Holle mal wieder verschläft. Glacier 3000 ist auch Teil des Skipools Gstaad Mountain Rides und den Alpes Vaudoises.

Bei meiner Recherche habe ich ausserdem herausgefunden, dass es im Gebiet schöne breite und flachabfallende Pisten gibt. Ideal für mich als Carverin und den Sprössling, den es vor schwarzen, steilen Pisten schaudert. Mit zehn Anlagen und 25 km Skipisten mit mehreren Routen für jedes Niveau, scheint es uns genau das Richtige zu sein für einen gemütlichen Snowboardtag.
 

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Gondelfahrt des Grauens.
Les Diablerets zeigt sich an diesem Tag nicht von seiner weissen, verschneiten Seite. Zum Glück geht es anschliessend über 2000 Höhenmeter hoch hinauf in den (fast) ewigen Schnee. Wir sind beruhigt. In zwei Etappen geht es mit den grossen, schweren Gondeln der Luftseilbahn von der Station Col du Pillon rasant und steil den schroffen Bergwänden entlang hinauf. Erst zur Station Cabane, dann weiter zu der von Mario Botta entworfenen Bergstation Scex Rouge auf 2971 Meter über Meer. Nicht schwindelfreien Personen empfehle ich, sich in die Mitte der Gondel zu stellen. Der Abgrund unterhalb ist tief und angsteinflössend.

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Die von Botta konzipierte Bergstation entspricht ganz seinem Stil: ungewöhnlich, futuristisch, kühle Materialen, strenge geometrische und klare Formen. Der Ort ist aber auch für Nicht-Botta-Fans einen Besuch Wert. Im Bergrestaurant gibt es kleine Snacks und lokale Spezialitäten. Wer keinen Wintersport betreibt, kann sich drinnen bei feinem Essen den ganzen Tag an der imposanten Bergwelt ergötzen.

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Hängebrücke nur für Schwindelfreie.
Wir aber verlassen die Bergstation und fühlen draussen endlich Pulverschnee unter unseren Boots. Mein Blick schweift in die Ferne: Das Panorama raubt mir kurz den Atem.IMG_3008

Und es wird noch besser. Während sich meine Männer bereits das Brett anschnallen, wage ich mich noch höher hinaus. Ziel ist der «Peak Walk». Die einzige Hängebrücke auf der Welt, die zwei Gipfel verbindet: den Vorgipfel mit dem fünf Meter höher gelegenen Hauptgipfel Scex Rouge.

IMG_3021IMG_2990Kurzatmig, die Höhenluft ist dünn, erreiche ich viele Treppenstufen später die 107 Meter lange Hängebrücke. Ein bisschen mulmig ist mir zumute, aber ich überquere tapfer die wankende Hängebrücke und wage sogar einen Blick in den Abgrund.

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Mein Mut wird mit einer grandiosen Aussicht auf das 360°-Panorama belohnt – mit Matterhorn, Mont Blanc, Eiger, Mönch und Jungfrau. Insgesamt sind hier oben 24 Viertausender zu sehen. Das muss mal erst ein anderer Gipfel toppen.

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Mit Glücksgefühlen über Big Mama.
Nun aber runter von der Brücke, die Pisten warten. Über den Kamm gelange ich auf flachem Weg zu den Skiliften Dôme, Tsanfleuron und Quille du Diable, wo ich auf meine beiden Männer treffe. Mit leuchtenden Augen strahlen sie um die Wette. Die Pisten scheinen zu gefallen. Bei der ersten Abfahrt über die flache, breite Piste, rauschen auch bei mir Glückshormone durch das Blut. Die wenigen Menschen auf der perfekt präparierten Piste, die Sonne, die uns den ganzen Tag gnädig ist und meine neuen Snowboardschuhe tragen zusätzlich zum Höhenrausch bei.

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Nach einer kurzen Rast bei der Pisten-Schneebar geht es nochmals hoch, den Sprössling ziehts in den bekannten Snowpark, wo oft auch Profis für ihre Tricks trainieren. Viele verschiedene Elemente gibt es hier für die Freestyler: Big Mama, eine Riesenschanze, Line Rails, Tanks, Kicker Jumps, Flat Tubes und noch viel mehr. Wir fahren einmal über die Riesenschanze – der Neugierde, wie sich das dort oben anfühlt, können wir uns nicht widersetzen.

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Mit dem Snow Bus auf dem Glacier Walk.
Vom Hunger getrieben, gehts zurück Richtung Bergstation. Von hier aus fahren wir gemütlich mit dem Pistenfahrzeug «Snow Bus» zum «Refuge l’espace». Die spektakuläre Gebirgslounge kann in rund 45 Minuten auch zu Fuss erreicht werden. Im der kleinen heimeligen Lounge fühlen wir uns auf Anhieb wohl.

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Foto: Refuge l’Espace, refugelespace.ch
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Foto: Refuge l’Espace, refugelespace.ch

Wir machen es uns mit einem «Yeti Tee», einer heissen Milch mit Honig und einem Apfelpunsch auf der Terrasse gemütlich. Natürlich dürfen hier regionale Leckerbissen nicht fehlen. Die Gerstensuppe, Gstaader Rindswurst, der Saanenländer Hobelkäse und Schüblig mit Saanensenf schmecken äusserst lecker. Auch hier verschlägt einem die Aussicht ins Val Derborence sowie auf die Berner Alpen fast die Sprache. Der Standort dieser kleinen feinen Lounge ist einfach grandios.

Zurück bei der Bergstation entdecken wir noch so vieles, was auf dem Gletscher erlebt werden kann: Im Fun Park auf Plastiktellern den Hang runtersausen, Hundeschlitten fahren, Winterwandern, Skitouren, Schneeschuhlaufen, Langlaufen und sogar ein Gletscherflug mit Air Glacier ist nach Vereinbarung von hier aus möglich. Wer das Gebiet länger geniessen und alle Aktivitäten ganz auskosten will, findet in den umliegenden Orten Les Diablerets, Gstaad, Villars, Leysin oder Montreux zahlreiche komfortable Übernachtungsmöglichkeiten.

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Die Piste Martisberg runter nach Reusch von der Station Cabane aus ist an diesem Tag geschlossen, da Frau Holle leider ihr Weiss noch nicht bis dorthin geschüttet hat. Die bekannte, längste Piste der Region, die Oldenpiste, ist übrigens nur für sehr gute Fahrer geeignet. Die steilen, schwierigen Passagen sind nichts für Anfänger.

P.S. Wer sich fragt, was es mit dem Teufel (Diablerets, Teufelsbergen) auf sich hat und gerne Geschichten mag, liest am besten die Legenden, die sich um diesen Ort ranken.

Fotos: Nadine Barcos

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