«Ich empfinde meinen Berufsweg nicht als unkonventionell.»

Daniela Wänke ist passionierte IT-Frau bei der SBB. Ihr Wissen setzt sie für den Gotthard-Basistunnel ein. Was sie genau macht und wie sie das männerdominierte Arbeitsumfeld erlebt, verrät sie uns in einem zweiten Interview mit Frauen, die einen MINT-Beruf (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) gewählt haben.

Wie lautet Ihre genaue Tätigkeitsbezeichnung?

Bei der SBB arbeite ich als «ERP Senior Engineer» und bin Beraterin und Projektleiterin für IT-Projekte im Unterhalt. Ursprünglich bin ich Diplom-Biologin, habe dann allerdings in die Unternehmensberatung im IT-Umfeld gewechselt.

Wann und warum haben Sie sich dazu entschieden, diesen für Frauen unkonventionellen Berufsweg zu wählen?

Ich empfinde meinen Berufsweg nicht als unkonventionell. Mich interessierten naturwissenschaftliche Prozesse schon immer, deswegen studierte ich Biologie. Und der Weg zu Unternehmensprozessen ergab sich dann im Laufe der Jahre. Da war auch viel Zufall dabei und die Chancen in der IT waren vor 20 Jahren grösser als in der Biologie.

Was waren Ihre Aufgaben rund um den Gotthard-Basistunnel? Wie können wir uns Ihre Rolle konkret vorstellen?

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Daniela Wänke während ihrer Arbeit – Arbeitsgerät ist der Laptop.

Ich war Projektleiterin für zwei verschiedene IT-Projekte zu Erhaltungsprozessen. Zum einen koordinierte ich mit der Alp Trans Gotthard (ATG) Lieferungen von IT-Leistungen und deren Integration in die SBB Systemwelt. Zum anderen steuerte ich die Weiterentwicklung der Software, welche die Erhaltung im GBT unterstützt. Dabei arbeitete das IT-Team sehr eng mit den Anwendern zusammen, um die operativen Abläufe zu verstehen und die Anforderungen umzusetzen.

Wie sieht Ihr typischer Arbeitsalltag aus?

Meine Arbeit besteht hauptsächlich in der Kommunikation mit den verschiedenen Interessensgruppen: Ich plane und organisiere Workshops, leite aus Anforderungen IT-Massnahmen ab und plane die Umsetzung mit den notwendigen Fachleuten. Wir treffen uns täglich in Abstimmungsmeetings, aus denen sich Folgeaktivitäten ableiten – oft auch recht spontan. Zurzeit teste ich hauptsächlich Anwendungen in der Gesamtintegration und plane den Anwender-Support durch die IT während des Probebetriebs.

Was gefällt Ihnen an Ihrem Beruf am besten?

Meine Tätigkeit ist sehr abwechslungsreich. Obwohl ich in der IT arbeite, sitze ich nicht pausenlos am Computer, sondern habe sehr viel Kontakt mit Kolleginnen und Kollegen aus den unterschiedlichsten Bereichen. Dank diesem Austausch und angesichts der technologischen Herausforderungen kann ich jeden Tag etwas lernen – das bereitet mir Freude.

Können Sie uns einen grossen Moment nennen, den Sie in Bezug auf den Gotthard-Basistunnel erlebt haben?

Dazu gehören sicherlich die Momente, in denen wir die Baustelle besichtigen konnten. Die Grössenverhältnisse im Tunnel haben mich sehr beeindruckt.

Ist es für eine Frau schwieriger in einem eher männerdominierten Berufsfeld zu arbeiten? Welche Erfahrungen haben Sie diesbezüglich gemacht?

Ja, ich denke schon. In vielen Sitzungen bin ich die einzige Frau und habe oft den Eindruck, dass meine Meinungsäusserungen von Männern gar nicht wahrgenommen werden. Frauen sind da aufmerksamer. Ich habe aber nie offen dargestellte negative Erfahrungen gemacht – im Gegenteil: Viele Männer begrüssen es, wenn Frauen mehr Verantwortung übernehmen und schätzen auch einen vielleicht mal anderen Blickwinkel.

Womit beschäftigen Sie sich in Ihrer Freizeit?

Ich gehe sehr gerne wandern und jetzt muss ich leider ein klischeehaftes Rollenbild bedienen: Ich koche gerne und experimentiere viel in der Küche.

Die Eröffnung des Gotthard-Basistunnels ist ein weltweit beachtetes Ereignis. Gestern, 17 Jahre nach der ersten Sprengung im Hauptstollen, wurde der längste Eisenbahn-Tunnel der Welt offiziell eröffnet. Die Schweiz hat Grund zu feiern und lädt in- und ausländische Ehrengäste zu einem Eröffnungsanlass und die ganze Bevölkerung zu einem unvergesslichen Volksfest ein.

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