«Ir Ysebahn»

Ir Ysebahn

Ir Ysebahn sitze die einte eso
Dass si alles was chunnt scho zum vorus gseh cho
Und dr Rügge zuechehre dr Richtig vo wo .. dr Zug chunnt

Die andere sitze im bank vis-à-vis
Dass si lang no chöi gseh, wo dr Zug scho isch gsy
Und dr Rügge zuechehre dr Richtig wohi .. dr Zug fahrt

Jiitz stellet nech vor, jede bhouptet eifach
So win är’s gseht, sys’s richtig ond scho hei si Krach
Si gäbe enander mit Schirme ufs Dach .. dr Zug fahrt

Und wenn dr Kondüktör jitze no chunnt
So geit är däm Sachverhalt nid uf e Grund
Er seit nume, was für ne Ortschaft jitz chunnt
.. s’isch Rorschach

Mani Matter

 

 

Mit «Ir Ysebahn» stellte Mani Matter 1972 die ewige Frage aller Zugreisenden: Sitzt man besser in oder entgegen der Fahrtrichtung? Die Texte und Melodien all seiner Berndeutschen Lieder sind zeitlos, und auch 40 Jahre nach seinem Tod noch allgegenwärtig. Aus diesem Grund hat ihm das Historische Museum in Bern eine Ausstellung gewidmet, die dem Leben und Schaffen des Troubadours multimedial auf den Grund geht. Letztes Jahr hatte die Ausstellung ja bereits tausende von Zuschauern ins Landesmuseum Zürich gelockt, bis zum 13. Januar 2013 ist der Chansonnier nun aber zurück in seiner Heimatstadt, Grund genug ihm einen Besuch abzustatten.

Grundsätzlich ist ja jeder Besuch im Historischen Museum ein Erlebnis. Nur schon das Betreten der «Burg» durch ihre eisernen Tore ist jedes Mal beeindruckend. Ich zumindest fühle mich immer ein bisschen wie ein Schlossfräulein, wenn ich die breite Treppe zur grossen Eingangstür erklimme. Drinnen dann die nächste Überraschung: An der Kasse gibt’s Kopfhörer und ein iPad ─ gut geschützt und zum Umhängen ─ auf dem umfassendes Videomaterial sowie eine breite Auswahl an Liedgut von Mani Matter abgespeichert ist, das man sich während der Ausstellung auf den bequemen Sofas ansehen respektive anhören kann.

Im Untergeschoss des Historischen Museums warten bereits die verschiedenen Stationen von Matters Leben und Schaffen auf mich. Ich erfahre, dass er auch über die Karriere als «Värslischmid» und Jurist hinaus ein politisch sehr engagierter Mensch war, der sich in den bewegten 60er-Jahren für das «Junge Bern» einsetzte. Ich setze mich auf einen alten Coiffeurstuhl, um das «metaphysische Gruseln» am eigenen Leib zu erleben und schaue mir Familienfotos aus dem Nachlass Matters an. Auch wenn bei fast jeder Station von oben leise das passende Lied aus den Lautsprechern tröpfelt, so haftet der Ausstellung und vor allem dem Ausstellungsraum doch eine etwas sehr andächtige und zuweilen fast ein wenig bedrückende Atmosphäre an, die nicht so recht zu den lebendigen und mit feinem Humor gespickten Lieder Matters passen will. Automatisch beginnt man zu flüstern und ist fast froh, dass die gleichzeitig anwesenden Kinder vergessen, dass sie Kopfhörer aufhaben und laut und fröhlich den «Sidi Abdel Assar» mitsingen. Ach ja, die Ausstellung eignet sich übrigens wirklich gut für einen Besuch mit Kindern, auf dem iPad gibt es eine kindgerechte Führung durch die einzelnen Stationen. Und trotz der düsteren Stimmung bleibt der Ausflug ins Historische Museum alles in allem als schön gestaltete Ausstellung, die durch ihre multimediale Aufmachung überzeugt, in Erinnerung.

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