Mit dem Mitfahrbillett auf Städtereise oder was tun in Thun?

Egal ob in der Schweiz oder im Ausland, ich bevorzuge Städtereisen gegenüber Ausflüge in die Natur. Und egal ob hier oder dort, ich lasse mich gerne von einer Stadt treiben, vertraue darauf, die schönsten Ecken beim Herumstreifen in einer fremden Stadt zu entdecken.

Deshalb entscheiden wir uns spontan, einen der ersten warmen Frühlingstage für einen Ausflug in zwei Schweizer Städte zu nutzen: Bern und Thun. Die Vorbereitung beschränkt sich auf ein Minimum, der Kauf des Mitfahrbillets für Kollegin Sarah ist auf der App SBB Mobile ruckzuck erledigt.

Ausflug mit dem Mitfahrbillett.

So seid ihr gemeinsam günstiger unterwegs: Vom 27. Februar bis 21. Mai ist das Mitfahrbillett erhältlich. Wenn du zum Beispiel ein GA oder eine Tageskarte hast, kannst du eine Begleitperson für nur 38 Franken auf einen Ausflug mit dem Zug mitnehmen. Auf sbb.ch/mitfahren findest du viele weitere Freizeitideen.

 

Und so sitzen wir an diesem sonnigen Samstagmorgen bereits um 7:30 Uhr im InterCity von Zürich nach Bern. Der Doppelstöcker, in dem sich unter der Woche um diese Zeit müde Pendler die Augen reiben, ist fast leer. Zeit für einen ersten Kaffee.

Die Einfahrt in den Bahnhof Bern ist – wie immer bei schönem Wetter – spektakulär. Die türkisfarbene Aare unter uns glitzert, und schaut man genau, zeichnen sich am Horizont die markanten Gipfel von Eiger, Mönch und Jungfrau ab. Im Vordergrund die unverkennbare Silhouette der Stadt Bern mit ihren Brücken, dem Münster und der Kirche St. Peter und Paul.

Die Stadt hätte ja genug zu bieten, um eine ganze Woche, ja was sage ich, ein Leben lang darin zu verweilen. Weil wir aber das Mitfahrbillett mit all seinen Möglichkeiten heute so richtig ausnutzen wollen, gibt es die Tipps für die Stadt Bern im Schnelldurchlauf (aufs Bild klicken für eine grössere Ansicht).

 

«Rauf aus der Stadt.»

Mit dem 9i-Tram lassen wir die noch etwas verschlafene Innenstadt hinter uns und fahren Richtung Wabern. Direkt an der Haltestelle «Gurtenbahn» liegt der Märitladen. Hier gibt es feines Brot und ein sorgfältig ausgesuchtes Sortiment an Bio-Käse mit vielen regionalen Spezialitäten, wie dem Edelschimmelkäse «Summerhimu» oder die berühmte Belper Knolle. Dazu Antipasti und ein paar Früchte und Nüsse, fertig ist die Zwischenverpflegung.

Das Gurtenbähnli fährt alle 15 Minuten und das Mitfahrbillett ist auch hier gültig. Alternativ könnte man in rund 40 Minuten den Aufstieg auf den Berner Hausberg zu Fuss schaffen. Doch so früh sind noch nicht viele «Berggänger» unterwegs. Und auch wir entscheiden uns für die gemütliche Variante. Die Fahrt ist für grosse wie kleine Kinder ein Erlebnis. Je mehr die Bahn an Höhe gewinnt, umso besser ist die Aussicht auf die Stadt, das Bundeshaus, die Aare und den Jura-Südfuss.

Der «Gurten – Park im Grünen» hat zu jeder Jahreszeit und für jede Altersgruppe etwas zu bieten. Ins Auge sticht uns die Kugelbahn. Eine Riesenkonstruktion aus bunten Schienen, Kurbeln, Rädern und Scheiben, an der man hebeln, drehen, kurbeln und rütteln und damit der Kugel den richtigen Weg weisen kann. Wer die Bahn von Anfang bis Ende durchspielen will, braucht eine gute Stunde Zeit. So lange reicht die Geduld dann doch nicht, zu neugierig sind wir auf das neuste Kunstwerk, das sich zwischen die bekannteren Luginbühl-Skulpturen reiht. Die Kunstinstallation «Yggdrasil» nimmt Bezug zum gleichnamigen Symbol der nordischen Mythologie – der Weltenbaum als Verkörperung des Gesamtbildes der Schöpfung.

Langsam macht sich der Hunger bemerkbar. Naheliegend wäre ein Besuch im unkomplizierten Selbstbedienungs-Restaurant. An schönen Tagen einen Sitzplatz zu ergattern, kostet allerdings einiges an Geduld und Nerven. Wir haben Picknick dabei und machen es uns auf einer Bank an der Sonne gemütlich und geniessen die Aussicht. Und spielen mit dem Gedanken, den Abstieg nach Kehrsatz zu Fuss zu wagen. Weil unsere Rundreise aber noch lange nicht zu Ende ist, beschliessen wir, mit der Zahnradbahn runterzufahren. Nur weniger Schritte neben der Talstation liegt der Bahnhof Wabern. Von dort aus geht’s weiter mit der S-Bahn nach Thun.

Vom Berner Hausberg auf den Thuner Schlossberg.

In Thun angekommen hat die Sonne den Durchbruch endgültig geschafft. Abgesehen von einem feinen Dunst über dem See, zeigt sich das Zähringerstädtchen an der Aare unter strahlend blauem Himmel. Wir lassen uns Richtung Altstadt treiben – nicht ohne vorher noch einen Blick auf die Abfahrtstafel der Schiffe geworfen zu haben. Doch dazu später.

Die Innenstadt von Thun liegt auf einer Insel mitten in der Aare. Entlang der Einkaufsmeile Bälliz reihen sich die üblichen Verdächtigen. Warenhäuser, Bekleidungsketten, Banken… Dafür müssen wir nicht nach Thun reisen.

Deshalb zieht‘s uns auch schnell über die Sinnebrücke weiter in die Obere Hauptgasse. Diese ist von einer architektonischen Besonderheit geprägt: Die einzigartigen Hochtrottoirs, die die belebte Gasse links und rechts säumen. Oben wie auch unten gibt es kleine Boutiquen, Cafés, Bioläden und hippe Bars zu entdecken. Auch ein Blick nach oben lohnt sich, jedes Haus sieht anders aus und immer wieder blitzt das stattliche Schloss Thun mit seinen markanten Ecktürmen hervor.

Aufstieg zum Schloss.

Der Aufstieg zum Schloss Thun vom Rathausplatz hat es in sich. Wer oben ankommt, wird mit einer wunderbaren Aussicht auf die eindrückliche Bergkette rund ums Stockhorn belohnt. Das Schloss ist um 1200 vom zähringischen Herzog Berchtold V. erbaut worden. Heute beherbergt das Schloss nebst einem Hotel und Restaurant ein Museum, das die Regionalgeschichte sowie wechselnde Ausstellungen zu kulturhistorischen und aktuellen Themen zeigt.

Der Aufstieg hat seine Spuren hinterlassen. Durstig machen wir uns auf den Weg zurück ins Städtchen und kommen dabei am AEK Caffè vorbei, das uns mit Oberländer Kräutertee und einer sonnigen Terrasse von einem kurzen Zwischenhalt an der Aare überzeugt. Diese glitzert türkis in der Sonne und macht bereits im März Lust auf ein Bad im Fluss.

Über den Göttibachsteg und die obere Schleuse (nur zwei der unzähligen tollen alten Brücken in Thun) geht’s zurück Richtung Bahnhofplatz. An der Schiffanlegestelle wartet bereits die MS Schilthorn auf uns, die uns nach Oberhofen am Thunersee bringt.

Wir kommen wieder – im Sommer.

Auf dem Schiff weht eine steife Brise und angesichts der hohen Schneeberge wird uns bewusst, dass der Sommer wohl doch noch eine Weile auf sich warten lässt. Das merken wir nochmals, als wir vor den (noch) verschlossenen Türen des Restaurants Pier 17 stehen, unserem eigentlichen Ziel. Die kleine Café-Bar direkt an der Schiffländte in Oberhofen versprüht das Flair einer Strandbar und serviert in den Sommermonaten Salate, Ciabattas und Smoothies aus frischen und qualitativ hochwertigen Produkten aus dem Berner Oberland. Leider tut sie das erst ab April 2017 wieder…

In die Bresche springt das Restaurant Schloss Oberhofen gleich nebenan. Ein gemütlicher Innenhof zwischen altem Gemäuer und moderner Architektur lädt zum Verweilen ein, das feine Essen und vor allem der freundliche Service leisten das ihre, damit wir uns so richtig wohl fühlen.

Der Bus Nr. 25 bringt uns in knappen 12 Minuten zurück an den Bahnhof in Thun, wo bereits der Zug in Richtung Bern auf uns wartet. Unser Fazit: Zug, Tram, Standseilbahn, S-Bahn, Schiff und Bus haben uns heute weit herum gebracht. Dank dem Mitfahrbillett haben wir Ecken der Schweiz entdeckt, die uns sonst wohl verborgen geblieben wären.

 

Fotos: Sarah Aakervik

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