Palmen, Polenta und ein Wasserturm.

Ein Mitfahrbillett, meine Begleitung und ein Streckennetz von insgesamt 3000 Kilometern – so fühlt sich Freiheit an! In den Jura, nach Arosa oder doch Richtung Süden? An einem kalten Morgen ist schnell die Entscheidung gefasst, wohin es gehen soll: in die Sonnenstube der Schweiz – das Tessin.

Mit den ersten Sonnenstrahlen steigen mein Reisebegleiter Patrick und ich am Hauptbahnhof Zürich in den Zug Richtung Bellinzona ein. Dank dem Mitfahrbillett für 38 Franken kann Patrick mit mir in der ersten Klasse fahren.

Ausflug mit dem Mitfahrbillett.

So seid ihr gemeinsam günstiger unterwegs: Vom 27. Februar bis 21. Mai ist das Mitfahrbillett erhältlich. Wenn du zum Beispiel ein GA oder eine Tageskarte hast, kannst du eine Begleitperson für nur 38 Franken auf einen Ausflug mit dem Zug mitnehmen. Auf sbb.ch/mitfahren findest du viele weitere Freizeitideen.

 

An ein Nickerchen ist während der Zugfahrt nicht zu denken. Viel zu schön ist das Panorama, das sich uns bietet. Auf dem Zürichsee liegt ein mystischer Nebelschleier, der Zugersee hingegen spiegelt den wolkenlosen Himmel. Die Umgebung rund um Arth-Goldau wirkt durch die willkürlich herumliegenden, mit Moos bedeckten Felsbrocken märchenhaft.

Rehe streicheln im Natur- und Tierpark Goldau.

Ein Abstecher in den Natur- und Tierpark Goldau lohnt sich. Denn bis zum 9. April 2017 erhältst du 30% Ermässigung auf den Eintritt. Dafür solltest du aber einen ganzen Tag einplanen. Denn ganz ehrlich: Niemand bringt dich von dort so schnell wieder weg, wenn du erst einmal beim Bambi-Füttern angelangt bist!

 

Die Rigi begleitet uns bis zum Lauerzersee, wo unsere Aufmerksamkeit von den empor ragenden Mythen gewonnen wird. Bei der sich uns bietenden Kulisse stelle ich mir vor, wie schön es sein könnte, einen ganzen Tag lang durch die Schweiz zu fahren.

«Sehr geehrte Damen und Herren, gleich befahren wir den längsten Tunnel der Welt», die Lautsprecherdurchsage weckt mich aus meiner Tagträumerei.

30 Minuten schneller in Locarno.
Dank dem Gotthard-Basistunnel sparst du seit dem 11. Dezember 2016 ganze 30 Minuten an Reisezeit. So bist du noch schneller im Tessin oder in Italien. Eine Fahrt von Zürich HB nach Milano Centrale dauert neu nur noch 3 ½ Stunden.

 

Schon verblüffend, wie schnell sich die Landschaft zwischen Tunneleingang und Ausgang verändert. In Bellinzona steigen wir um und fahren mit der S-Bahn durchs Land bis nach Locarno. Das Städtchen begrüsst uns mit Palmen, bereits blühenden Sträuchern und Sonne.

Polenta, Käse und Amaretti.

Kaum angekommen, steuern wir auf unser erstes Ziel zu: Den «Mercato di Locarno» auf der Piazza Grande. Fast jedes Städtchen im Tessin verfügt über einen Wochenmarkt. Obwohl sich über die Jahre auch viele Stände mit asiatischen Billigwaren dazugesellt haben, findet man dennoch feinste Spezialitäten aus dem Tessin und sogar aus Italien – ein Besuch lohnt sich also. Tipp: Den Mercato im Frühling besuchen. Dann bieten noch mehr Händler ihre Ware feil.

 

Auf dem Markt kaufen wir Cantuccini in allen möglichen Geschmackssorten von einem Luganeser Händler. Wir nehmen sie mit an den See. Möwen begrüssen uns lauthals.

 

Suche nach dem besten Steinpilz-Risotto.

Die Cantuccini machen Lust auf mehr. Kein Wunder, es ist auch schon halb zwölf. «In Verscio soll es den besten Steinpilz-Risotto geben.», meint Patrick. Den Tipp hat er von einer Tessiner Kollegin erhalten. Vom Hunger getrieben geht es zurück Richtung Bahnhof.

Die Ferrovie Autolinee Regionali Ticinesi (FART) verbinden die umliegenden Täler im Norden des Lago Maggiore miteinander. Das Gute: Die Strecken liegen im Geltungsbereich des GA und der Tageskarte. Ein nostalgisches Bähnlein bringt uns entlang des Flusses Melézza mit jeder Kurve etwas näher zur Steinkirche von Verscio.

Wir wählen einen kleinen Umweg, um in den charmanten Gässchen von Verscio zum Grotto zu gelangen. Dabei stossen wir auf das Museo Comico.

Ein Ort des Theaters.

In Verscio leben viele Künstler. Denn hier hat der bekannte Schweizer Clown Dimitri mit seiner Frau die heutige Academia Teatro Dimitri, eine Schauspielschule, gegründet. Bei einem Besuch im Museo Comico, das sich ebenfalls in Verscio befindet, siehst du viele Requisiten, Masken und Skulpturen – Dimitris Lebenswerk.

 

Wenige Minuten später gelangen wir zur Osteria Croce Federale. Wir stossen die schwere Türe auf: das Lokal ist voll. Wir setzen uns draussen an einen Steintisch. Schliesslich wollen wir das gute Wetter auskosten. Das Steinpilz-Risotto mit einem guten Schuss Rotwein duftet herrlich und wärmt von innen. Dazu gibt es eine Gazosa – schön ist es doch, im Tessin zu sein!

Getrieben von der Entdeckungslust fahren wir zurück nach Locarno. Schliesslich wollen wir das Mitfahrbillett ausnutzen und möglichst viel sehen. Leider haben wir die Rechnung nicht mit dem Wetter gemacht: Wolken ziehen auf. Dabei gäbe es rund um Locarno und Ascona noch so viel zu entdecken. Wir entscheiden uns aber die Sonne zu suchen – mit dem Mitfahrbillett stehen uns ja fast alle Möglichkeiten offen.

Meine Wetter-App prognostiziert Sonne in Luzern bei 15 Grad – unser neues Ziel ist gesetzt! Wir machen uns auf den Rückweg in die Deutschschweiz. Was du aber unbedingt in Ascona und Locarno tun solltest, wenn das Wetter stimmt, liste ich dir hier auf:

Tipps Locarno:

  • Mit dem nostalgischen Funicolare bis nach Maria del Sasso (kostenpflichtig). Hier hast du eine atemberaubende Aussicht auf Locarno und den Lago Maggiore.
  • Noch schöner – aber auch teurer – wird die Aussicht nur, wenn du noch weiter hoch fährst: Zum Beispiel mit der Gondel von Orselina bis Cardada oder mit dem Sessellift von Cardada bis zur Cimetta-Spitze (kostenpflichtig).
  • La Trattoria: Das Restaurant befindet sich etwas abseits vom Trubel und überzeugt mit authentischer Tessiner Küche und einem lauschigen Garten für wärmere Tage.
  • Besuch im Kamelienpark mit über 300 Sorten: Am Schönsten während des Kamelienfestes.

 

Tipps Ascona:

  • Pinotti: Die wirklich besten Schokoladenamaretti des Tessins probieren.
  • Osteria Nostrana: Der «Risotto verde con funghi porcini» und die «Polenta nostrana con funghi porcini trifolati» sind ein Gedicht!
  • Mercato di Ascona: Jeweils dienstags direkt am Seeufer.
  • Isole di Brissago: Insel mitten im Lago Maggiore mit Pflanzen aus allen fünf Kontinenten (kostenpflichtig).
  • Ronco sopra Ascona: Der Balkon über dem Lago Maggiore mit malerischem Panorama ist auf jeden Fall einen Besuch Wert und mit dem Postauto zu erreichen.

 

Zum Kafi nach Luzern.

Am Tunnelausgang bei Erstfeld begrüsst uns tatsächlich ein strahlend blauer Himmel. Wir fahren denselben Weg zurück bis nach Arth-Goldau. Dort steigen wir um und nehmen den Voralpen-Express nach Luzern. Auch diese Strecke steht der vom Morgen in nichts nach. Wieder erleben wir eine Zugfahrt mit exklusivem Panorama, diesmal entlang der anderen Seite des Zugersees und an weiteren Gabelungen des Vierwaldstättersees vorbei, bis wir schlussendlich in Luzern eintreffen.

Wir laufen zum Seebistro LUZ und setzen uns raus auf die Terrasse, die sich direkt über dem See befindet. Von hier aus hat man die beste Sicht auf den Rest der Stadt, die Berge und den See. Tipp: Den Sonnenuntergang auf der Terasse geniessen.

Sightseeing nach japanischer Art.

Nach einem Kaffee und Tee ist es bereits 17 Uhr. Höchste Zeit, Luzern noch etwas zu erkunden, bevor es eindunkelt. «Ein Spaziergang über die Kappelbrücke, vorbei am Wasserturm, darf nicht fehlen», findet Patrick. Recht hat er, schliesslich ist die älteste Brücke Europas das Wahrzeichen Luzerns.

Auf der Altstadt-Seite angelangt, gehen wir entlang der Reuss vorbei an der Rathaus Brauerei, wo laut meinem Luzerner Kollegen Kevin das beste Bier Luzerns ausgeschenkt wird. Auch erhalten wir den Tipp, die «Museggmauer» zu besteigen. Über die Eisengasse und Mariahilfgasse gelangen wir zur 870 Meter langen Mauer, die über neun Türme verfügt.

Der Zeit voraus.

Einer der Türme ist der Zytturm. Im Jahr 1535 erbaut, besitzt er die älteste Uhr der Stadt und hat deshalb das Privileg, jeweils eine Minute vor allen anderen Uhren Luzerns die Stunde zu schlagen.

 

Die «Museggmauer» und auch vier der Türme sind öffentlich zugänglich. Jedoch sind die Mauern nur während den Sommermonaten geöffnet. Deshalb begnügen wir uns mit der für uns schon spektakulären Aussicht auf die Bergketten unterhalb der Mauer.

Falls ihr Luzern besucht, empfehlen wir euch noch Folgendes.

Tipps Luzern:

–    Alte Suidtersche Apotheke: Ein Besuch in der ältesten Apotheke Luzerns lohnt sich nur schon wegen der historischen Einrichtung aus dem Jahr 1833.
–    Nadelwehr: Das Wehr wurde bereits 1852 errichtet und reguliert noch heute den Wasserstand des Vierwaldstättersees.
–    Verkehrshaus der Schweiz: Vermittelt interessantes Wissen über die Entwicklung der Mobilität und Transportmittel in der Schweiz.
–    Neubad: Bistro in einem ehemaligen Schwimmbad mit vegetarischen und veganen Leckerbissen.

Unsere Mägen sind noch immer gefüllt von den Leckereien des Tessins und unsere Füsse sind langsam müde. Wer hätte gedacht, dass es in der Deutschschweiz für einmal wärmer und sogar sonniger als im Tessin sein kann. Unser Tag war erlebnisreich, vielseitig und sonnig – dank dem Mitfahrbillett. Zufrieden treten wir den Heimweg an.

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