Vier Köpfe und eine neue Website.

Die neue Website der SBB hat die Feuertaufe bestanden. Was alles neu ist und wie sie sich im Verlauf der letzten 21 Jahren verändert hat, hast Du ja bereits im Beitrag von Simone erfahren. Wie aber setzt man eigentlich ein solch grosses Projekt um und wer ist verantwortlich, dass die Site pünktlich online geht? Wer entscheidet, wo du welche Inhalte vorfindest? Und nicht zuletzt: wer programmiert das System so, dass jeder Klick ans richtige Ziel führt?

Klar ist: für den neuen Webauftritt sbb.ch haben sich viele Mitarbeitende und externe Partner über Monate hinweg richtig ins Zeug gelegt, damit du heute deine gewünschte Information noch schneller findest. So zum Beispiel Sabrina, Joice, Bruno und Florian. Sie sind vier von vielen, die am neuen Webauftritt beteiligt gewesen sind. Sie geben dir einen kleinen Einblick in die Entstehung der neuen Website der SBB.

 

Joice Silva Loureiro, Produktmanagerin Digital Accessibility.

Was genau sind deine Hauptaufgaben beim Relaunch von sbb.ch?

Ich bin dafür verantwortlich, dass der Inhalt auf SBB.ch barrierefrei wird. Eine Webseite ist dann barrierefrei, wenn diese durch Personen mit körperlichen oder geistigen Einschränkungen wahrgenommen und bedient werden kann. Die SBB setzt dabei auf den international anerkannten Standard des World Wide Web Consortiums zur Barrierefreiheit, die Web Content Accessibility Guideline 2.0. Das heisst, wir gestalten die bestehenden Webinhalte wie Grafiken, PDFs, Texte, Links und Videos barrierefrei. Ausserdem schule ich die SBB Webredaktion, die künftig darauf achten muss, dass Webinhalte barrierefrei publiziert werden.

Warum war das Redesign aus deiner Sicht als Produktmanagerin Digital Accessibility dringend nötig?

Die SBB ist gesetzlich verpflichtet, alle ihre Dienstleistungen barrierefrei zur Verfügung zu stellen – auch die digitalen. Die bisherige Website war nicht vollständig barrierefrei. Auch die neue Seite ist es zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht. So gibt es zum Beispiel PDFs, die wir noch nicht aufbereiten konnten. Die SBB strebt an, bis Ende 2017 sbb.ch die Barrierefreiheit der Website zu zertifizieren.

Mit dem Relaunch schaffen wir eine gute Basis dafür. Nach dem Relaunch müssen wir weiter an der Barrierefreiheit der Inhalte arbeiten. Ausserdem stehen einige Software-Anpassungen aus, die wir bis zum Relaunch nicht umsetzen konnten.

Was ändert sich und inwiefern macht es das für den Nutzer mit besonderen Anforderungen an eine Webseite besser?

Benutzer mit besonderen Bedürfnisse bedienen Webseiten mit Hilfe von spezieller Software und Hardware, sogenannten assistierenden Technologien. Dazu gehören etwa Screen-Reader oder Vergrösserungssoftware, die Blinden oder Personen mit stark eingeschränktem Sehvermögen helfen, den Bildschirminhalt wahrzunehmen. Stark motorisch eingeschränkte Personen benutzen Augen- oder Sprachsteuerungssysteme, um ihre Computer zu bedienen. Die Inhalte auf sbb.ch wurden für die Nutzer dieser Technologien aufbereitet.

Nutzer mit «normalen» Bedürfnissen können die Seite wie gewohnt bedienen. Aber: Auch sie profitieren von einer barrierefreien Webseite, von gut strukturierten Inhalten, guter Tastaturbedienbarkeit und vom schlicht gehaltene Layout. Der Inhalt von barrierefreien Webseiten lässt sich ausserdem mit Suchmaschinen besser auffinden.

 

Bruno Spicher, Head of Digital Products und Projects.

Bruno, was genau sind deine Hauptaufgaben beim Relaunch von sbb.ch?

Als «Head of Digital Products and Projects» habe ich die Rolle des «Product Owners» wahrgenommen. Ich bin also quasi der Besitzer des Projekts (lacht) und unter anderem verantwortlich gewesen, die anfallenden Aufgaben zu priorisieren und die verschiedenen Auftraggeber und Anspruchsgruppen innerhalb der SBB fachlich zu vertreten und zu betreuen. In solch grossen Projekten ist es wichtig, dass die Auftraggeber jederzeit gut betreut sind. Die Wahrscheinlichkeit ist gross, dass dann das Projekt in geordneten Bahnen verläuft. Und ich habe dafür gesorgt, dass alle Beteiligten regelmässig über den Verlauf und die Entwicklung des Projekts informiert gewesen sind.

Warum war das Redesign aus deiner Sicht dringend nötig?

Unser vorheriger Webauftritt vom Mai 2011 ist in die Jahre gekommen. Über 20 Prozent der Kunden greifen heute mit dem Smartphone auf die Website zu, von da werden sie auf die mobil optimierte Site weitergeleitet. Dort finden die Besucher jedoch nur einen Bruchteil unserer Inhalte vor, was ärgerlich sein kann, wenn bestimmte Inhalte nicht auffindbar sind. Mit dem neuen Auftritt und den für alle Geräte optimierten Inhalten tragen wir diesem Umstand Rechnung. Ausserdem haben wir die Inhalte für die Website und für die mobile Version jeweils aufwändig doppelt bewirtschaftet, auch das fällt nun weg. Die Website werden wir fortlaufend weiterentwickeln: zusammen mit unseren Kunden, die sich in der SBB Community engagieren. Noch ist nicht alles besser, aber wir sind auf dem richtigen Weg. Oder wie es so schön in der legendären Esso-Werbung aus den 80-er Jahren heisst: «Es gibt noch viel zu tun, packen wir es an.»  

Was ändert sich hauptsächlich und inwiefern profitiert der SBB Kunde davon?

Der Webauftritt ist neu für alle Endgeräte optimiert, die Inhalte werden auf der jeweiligen Bildschirmgrösse entsprechend dargestellt. Das Design und die Inhalte sind inspirierend und sollen unsere Kunden anregen, sich durch die Angebote durchzuklicken. Insbesondere die Bereiche «Bahnhof & Services» und «Freizeit & Ferien» sowie der «Fahrplan» sind im Vergleich zur alten Website stark vereinfacht worden; die Inhalte sind aufgeräumt und übersichtlich. Das Design lehnt sich an die App SBB Mobile an, der Wiederkennungseffekt ist für die Kunden hoch. Der neu gestaltete Webshop wird im Laufe des Jahres aufgeschaltet und steht in der Zwischenzeit weiterhin als Preview-Version zur Verfügung. Bis Ende Jahr wird die Site auch barrierefrei zugänglich.

Was ist dein Lieblings-Feature der neuen Website oder dein persönlicher Tipp?

Mein Lieblingsfeature ist das sogenannte «Next Best Click-Element». Dieses Element, wie z.B. «Kontakt», «Link», «Downloads» oder «Kaufen» ist jederzeit sicht- und klickbar; es haftet am oberen Bildrand und verschiebt sich nicht beim Scrollen.

 

Sabrina Bigler, Digital Channel Managerin.

Sabrina, was genau sind deine Hauptaufgaben beim Relaunch von sbb.ch?

Ich bin innerhalb der Abteilung Digital Business für das Designkonzept und dessen Umsetzung verantwortlich. In der ersten Phase habe ich die Anforderungen an den neuen Webauftritt gesammelt und so aufbereitet, damit die Designer ein Konzept ausarbeiten konnten. Mit externen Partnern haben wir folglich das Design und die Interaktionsmöglichkeiten entwickelt; mittels Usability-Tests sind Gebrauchstauglichkeit und Benutzerfreundlichkeit überprüft worden. Anschliessend sind die neuen Designs und verschiedenen Seitentypen im Redaktionssystem umgesetzt worden. Ich habe dafür gesorgt, dass die Content Manager, diejenigen Mitarbeitenden, die Inhalte im System einpflegen, auf einer benutzerfreundlichen Redaktionsoberfläche arbeiten können. Das hat diverse Abnahmerunden, Tests und Schulungen erfordert.

Warum war das Redesign aus deiner Sicht dringend nötig?

Letzte Umfragen auf der aktuellen Website haben gezeigt, dass die Kunden unseren Webauftritt nicht mehr zeitgemäss wahrgenommen haben. Die Internet-Welt ist sehr schnelllebig, deshalb ist es wichtig, stets auf einem modernen und aktuellen Stand zu sein, auch hinsichtlich Sicherheitsanforderungen und Barrierefreiheit (erfahre dazu mehr im Porträt von Joice). Wir können uns noch nicht zurücklehnen, es liegt noch viel Arbeit vor uns. Aber die Basis ist gelegt für eine moderne, personalisierbare Website für die nächsten Jahre, die auch die Anforderungen der Barrierefreiheit erfüllt.

Was ändert sich hauptsächlich und inwiefern profitiert der SBB Kunde davon?

Die wichtigste Änderung ist sicher das Responsive Design. Das heisst, dass sich die neue Darstellung des Webauftritts automatisch der Displaygrösse des Geräts anpasst – auf Smartphone, Tablet oder Desktop-PC. Auch die Benutzerführung hat sich massgeblich vereinfacht: Das Design ist so gestaltet, dass sich relevante Informationen viel schneller finden lassen, da sie neu strukturiert und einheitlich gestaltet worden sind. Doch nicht nur die Gestaltung ist neu und zeitgemäss, auch technisch gibt es Neues: So gibt es künftig über den SwissPass ein Benutzerkonto; man meldet sich einmal an und kommt in nur drei Schritten an sein Billett.

Was ist dein Lieblings-Feature der neuen Website oder dein persönlicher Tipp?

Neben der sehr praktischen SBB Uhr im unteren Bereich der Site (mit original 2-Sekunden-Verzögerung des Sekundenzeigers) sind es viele Kleinigkeiten, die die Benutzer bei der Interaktion positiv überraschen werden. Diese sollen sie aber selbst entdecken. :-)

 

Florian Stürzinger, Art Director bei Unic.

Was genau sind deine Hauptaufgaben im Projekt Relaunch sbb.ch?

Als Art Director habe ich das visuelle Konzept erarbeitet, also alles ausser dem Fahrplan. Nach der Fertigstellung des Designs habe ich ausserdem den Styleguide für die neue Webseite erstellt. Also die Gestaltungsrichtlinien, die beschreiben, wie bestimmte Elemente einer Website zu gestalten sind. Diese Richtlinien sorgen für ein einheitliches Erscheinungsbild.

Warum war ein Redesign aus deiner Sicht als Art Director nötig?

Leicht versetzt zum Webdesign aus dem Jahr 2010 wurde auch das CI/CD der SBB neu erarbeitet. Die grundlegenden Brand-Elemente standen damals aber noch nicht zur Verfügung. Demnach passte die alte Website nicht mehr zum heutigen Erscheinungsbild der SBB. Ausserdem sollte eine Website heutzutage responsive sein, also von jedem Gerät mit Browser bedienbar sein.

Was ist neu und inwiefern profitiert der SBB Kunde davon?

Der Brand SBB wird nun spürbar und zeitgemäss auf allen Geräten zur Verfügung gestellt. Die umfassenden Inhalte bleiben im grossen und ganzen unverändert. Die relevanten Informationen werden aber so fokussiert wie möglich in Szene gesetzt. Wesentlich überarbeitet und verbessert ist ausserdem der Fahrplan und inspirierende Freizeit- und Ferien-Angebote stehen nun mehr im Zentrum.

 

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