Zugdurchsagen.

Hallo Doktor Bahnsinn

Warum sind die Zugdurchsagen der SBB eigentlich immer so lang? Als Pendlerin weiss ich doch, auf welcher Seite ich aussteigen muss…

Helen

Inhalt, Länge und Lautstärke der Zugdurchsagen sind ein beliebtes Diskussionsthema der Passagiere. Das Thema wird regelmässig in Kundenzufriedenheitsumfragen erfasst und schneidet gut ab (82.6 von 100 Punkten). Der Inhalt wird vom Regional- und Fernverkehr bestimmt. Fährt ein Zug in einen Bahnhof ein, werden die Reisenden beispielsweise im Fernverkehr – je nach Grösse des Bahnhofs durch das Zugpersonal oder via Ansagesystem – über folgende Punkte informiert: Ankunftsbahnhof, Ankunftsgleis und situativ die Ausstiegsseite, die nächsten erreichbaren Fernverkehrsverbindungen (maximal fünf Destinationen) mit Abfahrtszeit und Gleisangabe.

Ein Grossteil der Reisenden wünscht sich diese Informationen. Grundsätzlich wird auf Beständigkeit gesetzt. Durchsagen sind in einem gewissen Mass auch Automatismen und der Kunde soll Gewissheit haben, welche Informationsinhalte er im Zug erhält. Die Passagiere erhalten bei jeder Reise, respektive zu jeder Uhrzeit die gleichen Informationsinhalte. Natürlich, Touristen und Ausflügler haben ein anderes Informationsbedürfnis als erfahrene Pendlerinnen und Pendler.

Die Zugdurchsagen werden basierend auf Kundenrückmeldungen überarbeitet. So ist zum Beispiel der Textbaustein mit dem «schmackhaften Menü» ersetzt worden. Fakt ist, dass die SBB auch gesetzliche Vorgaben z.B. aus dem Behindertengesetz erfüllen muss. So wird die Ansage, auf welcher Seite sich die Ausstiegsseite befindet, gemacht, damit sich blinde Reisende besser zurechtfinden können. Zudem beschleunigt diese Information das Aussteigen aller Passagiere. Auch der sprachlichen Vielfalt in der Schweiz muss Rechnung getragen werden: Die Lautsprecherdurchsagen werden in der Ortssprache ausgeführt. Bei Begrüssungen und Verabschiedungen sind die Lautsprecherdurchsagen zweisprachig durchzuführen. (West-Ost/Ost-West deutsch/französisch und Nord-Süd/Süd-Nord deutsch, italienisch). An Bahnhöfen mit grossem Touristenaufkommen wie z.B. Basel, Bern, Chur, Genève, Interlaken, Luzern, Olten oder Zürich HB erfolgen die Durchsagen immer auch in Englisch.

Wo Standarddurchsagen nicht ausreichen, ist die Flexibilität, Kreativität und Professionalität der Zugbegleiter gefragt. Sie sind verantwortlich dafür, dass sich die Reisenden im Zug gut betreut und informiert fühlen. Viel Spielraum hat das Zugpersonal nicht – auch die Zeit, wann die Zugdurchsage nach Abfahrt oder vor Einfahrt des Zuges abgeschlossen sein muss, ist im Handbuch Zugpersonal genau definiert. Ein gewisser Charme, die Laune oder der Wortwitz eines Zugbegleiters sind aber spürbar und veranlassen die Reisenden manchmal zu einem kollektiven Schmunzeln oder Stirnrunzeln. Das sind die wahren Pendlermomente…

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8 Kommentare zu “Zugdurchsagen.

  1. Das mit der Ausstiegsseite ist noch sinnvoll, aber minutenlange Umstiegsdurchsagen sind NUR NERVEND, weil entweder A) man nicht umsteigen muss; B) man weiss, wo der Anschlusszug ist; C) man es nach dem Aussteigen an den zahlreichen Monitoren sehen und über Bahnhofslautsprecher hören kann. Und wem C nicht reicht, dem hilft auch die Durchsage im Zug nicht, diese Leute (z. B. Touristen) brauchen eh ganz genaue Infos.

  2. Weshalb hat man am Bahnhof in der Durchsage „Ihre nächsten Anschlüsse“, das Wort „Anschlüsse“ durch „Verbindungen“ ersetzt? Unter einer Verbindung verstehe ich eine Abfolge von Anschlüssen. Daher wäre ein Anschlusszug in A nach B noch keine Verbindung, sondern erst die Abfolge, bei der ich von A nach B nach C reise.

    1. Wir verwenden den Begriff Anschluss, wenn die offiziellen Umsteigezeiten eingehalten werden können (z.B. in Zürich HB sind das 7 Minuten). Oft erreichst du deine geplante Verbindung in einer kürzeren Zeit (siehe auch «Turnschuhanschluss»), weshalb die ursprüngliche Durchsage nicht in allen Fällen ganz richtig war. Daher haben wir uns entschieden, neu von Verbindungen zu sprechen.

      Gruss
      Martina (im Auftrag von Doktor Bahnsinn)

  3. Die Ansage der Ausstiegsseite ist für Reisende mit Kinderwagen sehr nützlich, weil man den Kinderwagen nur in einer Richtung gut über die Stufen beim Ausstieg tragen kann. Indirekt vielleicht auch für die anderen Reisenden, die dann weniger lange warten müssen.

  4. Also ich finde es auch recht mühsam als täglicher pendler all die gleise der anschlusszüge anhören zu müssen, insbesondere wenn man im RUHEwagen sitzt….
    Bis ich draussen bin weiss ich es eh nicht mehr…
    Bitte abstellen, danke!

  5. Warum wird auf englisch ständig die Nummer, was ja in der CH gar nicht existiert, angegeben anstatt wie voie, Gleis binario in den anderen Sprachen? …

  6. Guten Tag
    Mich würde interessieren, ob es nicht möglich ist, die Ansagen in einer Lautstärke zu machen, in der man sie auch versteht. Ich höre recht gut, aber die Ansagen sind so leise, dass ich meist nichts verstehe. Weder auf dem Perron noch manchmal (nicht immer).

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